Lippischer Pickert (2)
ie streicht die Masse auseinander, möglichst gleichmäßig, etwa zolldick, doch wird der Pickert schon von selbst am Rande etwas dünner, weil die Masse etwas flüssig ist. Bald fängt der Pickert an, einen etwas brennerigen Geruch zu verbreiten. Dann ist es aber hoch Zeit, ihn zu wenden weil er an seiner unteren Seite eine hellbraune Rinde bekommen hat. Die Ränder sind vielleicht etwas angebrannt und müssen deshalb mit einem Messer vom Ofen gelöst werden.


as Wenden ist ein ziemliches Kunststück, denn der Pickert ist oben auf noch ganz weich und seine Länge hat etwa 1½ Fuß, während die Breite von 1-1½ Fuß beträgt. Zum Wenden gebraucht man dünne Milchbretter, die man von vorne her möglichst weit unterschiebt. Mittels dieser Bretter wird der Pickert mit einem Schlagen umgeworfen. Wenn dieser Wurf nicht gelingt, so ist der Pickert verpfuscht und liegt mehr oder weniger doppelt oder gar in einem Puck; es wird nichts wackeres daraus. Gewöhnlich ist in jedem Hause nur einer, der dieses Kunststück versteht und auch für gewöhnlich verrichten muss, es gibt sich nicht leicht ein anderer dazu her. Auch der Beste hat wohl mal einen verpudelt.


o sagte ich z.B. kürzlich zur Haushälterin des Vorstehers Böger, als sie sich gerade zum Umwenden anschickte ob sie auch wohl einen Pickert in einen Klumpen werfen könnte. Ihr stieg das Blut etwas in die Wangen, und richtig warf sie den Kuchen in einen Puck. Offenbar hatte ich die Schuld und bekam deshalb auch sogleich meine Strafe; kein freundliches Gesicht den Nachmittag wieder, und der Pickert schmeckte auch nicht so gut wie sonst!

Will man einen Pickert ohne Gest backen so rührt man Kartoffeln, Mehl, ein wenig Salz und Wasser gehörig durcheinander, und dann kann das Backen sogleich losgehen. Die ärmeren Leute brauchen nur Kartoffeln und Salz zum Pickert, und bei Wintertage, wenn ja eingeheizt werden muss, essen die fast ebenso viel Pickert wie Brot.


in gut geratener Gestpickert und darauf frische Butter gestrichen, schmeckt zu gutem Kaffee ganz vortrefflich, viel besser als sämtlicher Butterkuchen. Lächle nur, du städtischer Leckerzahn! Du sollst unsern Pickert auch wohl mögen, wahrscheinlich auch mit alter Butter und ohne Zucker und Kaffee!

Willst du die Hausmutter wissen wo man die meisten Pickert isset, nämlich allmählich das Mehl von 5 - 7 Scheffel Buchweizen dazu gebraucht, so zähle zu der Summe unserer 109 Kolonate noch 11, dividiere durch 2 und addiere alsdann 4. Hier bäckt man die Pickert 2-2½ Zoll dick.


ut gebackener Pickert ist ein gar gesundes Essen, das bei uns sogar Saugkinder ohne Schaden genießen dürfen. Fast jeder isset ihn auch gern!"
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