Lippischer Pickert (1)
m Tecklenburger Land und im Lipper Land wurden die Pickerts heiß umschwärmt. Hunger und Not der Leineweber in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ließen das Gericht entstehen. Geboren aus der Idee, eine preiswerte und doch schmackhafte und kräftige Speise auf den Tisch zu bringen, ist der Pickert zum Nationalgericht der Lipper geworden.

Buchweizenmehl, Kartoffeln, Milch und Eier waren die Hauptzutaten, die man alle samt ja auf dem eigenen Hof produzierte. Das Geheimnis eines guten Pickerts aber ist, die Zutaten richtig aufeinander abzustimmen. Gebacken werden diese "Kuchen" in Pickertpfannen, ganz früher sogar auf der heißen Platte des Kohleherdes. Sein Name hat auch da seinen Ursprung: der Teig pickte (klebte) schnell auf der Ofenplatte fest.


rnst Friedrich Küstermann beschreibt in dem Buch "Geschichte von August Dorf", Bd. I, 1. Teil, 1863, das Pickert backen in alten Zeiten wie folgt:

"Meine Nachbarn und ihre Kinder haben Kartoffeln geschält und gerieben, also müssen wohl zu einem solchen Kuchen durchaus Kartoffeln nötig sein? Nicht so; man bäckt einmal den Pickert von purem Buchweizenmehle oder man bäckt ihn von Kartoffeln oder zum vierten, und so wird es gewöhnlich gemacht, wenn man anders wegen der Arbeit eben dazu kommen kann, von Kartoffeln und Buchweizenmehl. Von dem letzteren will ich sprechen und man kann daraus die Zubereitung der anderen Arten abnehmen. Man kann solchen Pickert, wie die anderen alle auch, mit Gest (Hefe) oder ohne Gest backen.

eine Nachbarin will einen Gestpickert backen, denn der Sonntag muss etwas vorab haben. Einen solchen rührt man am Abend vorher an. Man mengt geriebene Kartoffeln, Mehl, Gest, etwas Salz und Wasser (statt dessen auch wohl Milch) durcheinander, so dass es eine ziemlich schwanke (noch fließende) Masse bildet. Die Nacht über kommt das in die warme Stube zur Gärung (es geht auf, er wird "rasch").

In der Stubenwand, nach der Diele hin, steht ein alter Ofen ein Altenbekener D oder E oder F, von außen zu heizen. Auf diesem Ofen wird der Pickert am nächsten Morgen gar gemacht. Zu dem Ende heizt man, am liebsten mit Reisigholz, recht tüchtig ein; das tun die Kinder, und tun es, ohne dass sie geweckt zu werden brauchen. Wenn das Wort Pickert genannt wird, dann arbeiten auch die faulen Kinder fleißig. Eins will noch lieber für passendes Holz sorgen als das andere.

er Ofen ist heiß, die Mutter wird geweckt und steh auf. Sie probiert den Ofen mit dem nassen Finger. Richtig, er ist gut, denn er zischt. Sie nimmt ein nasses Waschtuch und wischt das Oberblatt ab, damit der Schmier vom vorigen Backen her und der Staub aus der vergangenen Woche entfernt werden. Darauf reibt sie den Ofen mit einer Speckschwarte recht tüchtig ab, damit der Pickert nicht anbrenne (das riecht eben so schön als das Opfer der Alten). Nun rührt die Mutter mit einem Löffel die Pickertmasse, die die Nacht über in einem Topfe oder Eimer gestanden hat, rasch tüchtig durch und schüttet sie auf den Ofen.
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